Ride smarter, not teurer – Gedanken zur Komponentensucht im MTB-Zirkus
- Knuffellump

- 24. Juni 2025
- 4 Min. Lesezeit
Ride smarter, not teurer – Gedanken zur Komponentensucht im MTB-Zirkus
Wer in MTB-Foren unterwegs ist oder sich regelmäßig den Content auf Instagram reinzieht, bekommt schnell den Eindruck: Wer kein Kashima-Gold an der Gabel hat, fährt offenbar Holzklasse. Und wenn’s keine Trickstuff-Bremse mit Titanbolzen ist, dann kannst du dein Bike wohl direkt an die Wand hängen – zur Dekoration, nicht zur Benutzung.
Aber Moment mal… Wie viel von diesem High-End-Zeug wird eigentlich wirklich genutzt?
Fahrwerk – viel Schein, wenig Setup
Viele Bikerinnen und Biker fahren Fahrwerke, deren Potenzial sie nicht einmal im Ansatz abrufen. 160 mm Federweg, High-Speed-Compression, Lowspeed-Rebound, Token-Tuning – und das bei einer Wochenendrunde auf dem Forstweg oder dem Radweg zur Eisdiele. Dass eine FOX 38 mit Factory-Kashima-Beschichtung gut aussieht, bestreitet keiner. Aber braucht ein 85-Kilo-Tourenfahrer mit 15 % Trailanteil dieses Fahrwerk? Die Wahrheit: In vielen Fällen tut es eine solide abgestimmte Gabel von SR Suntour, DVO oder DT Swiss – technisch vielleicht etwas schwerer, aber bei realer Nutzung kaum ein Unterschied. Wichtig ist der korrekte SAG, ein passender Luftdruck oder ein fein eingestellter Rebound – und nicht, ob FOX draufsteht.
Coil-Dämpfer – cool, aber nicht für alle
Coil-Dämpfer gelten als die Königsklasse: sensitiv, robust, wartungsarm. Aber für den Alltag? Für Asphalt, Radweg und Flowtrail-Level 2? Hier spielt ein moderner Luftdämpfer wie der FOX Float X oder der RockShox Deluxe mit verstellbarem Lockout seine Stärken aus. Weniger Gewicht, feinfühlig genug und im Uphill abschaltbar. Der Coil ist sexy – aber eben auch übertrieben, wenn man die Downhill-Wertung nie gesehen hat.
Felgen, Gewicht und Realität
Carbonfelgen von Lilienthal, Tune, Enve & Co. bringen dir vielleicht 250 Gramm pro Laufradseite. Klingt gut. Aber wenn das E-Bike eh 25 Kilo wiegt – plus Fahrer, Rucksack, Trinkblase und Seelenschmerz – dann sind 500 Gramm eher kosmetisch als spürbar. Eine Alufelge von Schürmann oder DT Swiss ist nicht nur günstiger, sondern oft auch robuster im Alltag. Denn Carbon platzt nicht nur im Herzen, sondern auch gern mal am scharfkantigen Einschlag. Und wenn du eh nur zum Biergarten rollst, ist die Steifigkeit der Felge dein kleinstes Problem.
Technik und Zielgruppe – passt das zusammen?
Warum ein All-Mountain-Bike mit Flight Attendant? Braucht man eine automatische Fahrwerksanpassung, wenn man auf bekannten Hometrails fährt? Oder eine Doppelbrückengabel mit 200 mm Federweg auf einem Trailbike für den Pfälzer Wald? Technik ist geil – keine Frage. Aber sie muss zum Einsatzzweck passen. Und wer nicht mindestens 70 % Trailanteil fährt, sollte sich lieber um Fahrtechnik, Reifendruck und Setup kümmern – das bringt mehr Performance als jedes Carbonteil.
Schauen ≠ Nachmachen
Instagram zeigt uns die Bikes der Stars. Aber die fahren auch Rampage, World Cup oder 4x die Woche im Bikepark. Ein 12.000-Euro-Bike für eine wöchentliche Feierabendrunde mit 200 Hm ist ungefähr so sinnvoll wie ein Formel-1-Auto im Feierabendverkehr. Es ist okay, sich was Schönes zu gönnen – aber man sollte nicht glauben, nur High-End sei „echtes“ Biken.
Fazit – fahr, was passt
Am Ende entscheidet nicht der Preis, sondern der Einsatz. Eine Magura MT5 bremst hervorragend. Eine Shimano XT sowieso. Und auch ein Suntour-Dämpfer kann butterweich arbeiten – wenn er richtig eingestellt ist. Wenn du Trails liebst, shreddest und dein Bike nutzt, wie es gedacht ist, brauchst du dich für keine Ausstattung zu schämen. Und wer sein Schaustück liebt – soll’s gerne pflegen und polieren. Nur bitte: Nicht über andere die Nase rümpfen.
Denn: Trailliebe misst man nicht in Kashima-Beschichtung. Sondern in Dreck am Schienbein.
Ducktrail-Schlusswort – direkt aus dem Federkern meines eigenen Fahrwerks
Ich selbst hab’s durch – den Weg von „Hauptsache Federweg“ bis „ich weiß, was ich da tue“. Angefangen hab ich mit einer SR Suntour Zeron-Gabel und einem Edge LOR-Dämpfer. Klingt jetzt nicht nach Rampage-ready, aber hey: Damals war’s für mich einfach nur "fährt sich weich – wird schon passen". Doch irgendwann stolperte ich über einen Content-Creator auf Instagram, der das Thema Fahrwerk nicht als Statussymbol, sondern als System erklärt hat. Ohne Bling-Bling, ohne Markenbashing – einfach gute Tipps, Tests und das wichtigste Tool von allen: Verständnis.
Also hab ich mein Fahrwerk neu eingestellt. Druckstufe, Rebound, SAG – alles angepasst. Und plötzlich war das wie eine Gehirntransplantation für mein Bike. Plötzlich lag das Ding satt im Trail, die Reifen krallten sich wie ein Wiesel auf Speed in die Erde, und mein Zeron-Fahrwerk wurde zur persönlichen Trailrakete. Keine goldene Kashima, aber ein goldenes Fahrgefühl.
Klar, ich hab dann alles durchprobiert: FOX Coil, DVO, RockShox Super Deluxe. Und weißt du was? Die Wahrheit ist ernüchternd und gleichzeitig schön: Egal was du fährst – es muss richtig eingestellt sein. Punkt.
Das gilt für Fahrwerke genauso wie für Schaltungen, Bremsen, Beläge, Reifen oder sogar den Lenker. Wenn du da sitzt wie ein Gorilla mit Rückenverspannung auf einem zu breiten Cockpit, dann bringt dir die beste Geometrie nix – außer Frust und einen schicken Abflug auf dem Wurzelteppich. Du brauchst Balance, Verständnis, Mut zum Schrauben und einen Schuss Selbstironie.
Denn ganz ehrlich:
Wer sein Fahrwerk nicht kennt, wird nie wissen, wie gut sein Bike eigentlich ist.
Also bevor du dir den nächsten Carbon-Schauorgasmus für 1500 Euro an dein Bike klemmst: Lern lieber erstmal dein Bike kennen. Denn da draußen sind viele, die fahren keine Show – sondern einfach richtig gut. Auch ohne Kashima, ohne Flugbegleiter-Fahrwerk und ohne Insta-Filter.
Und wenn du mich auf dem Trail triffst – dann erkennst du mich an zwei Dingen:👉 Dreck im Gesicht.👉 Und dem breiten Grinsen, wenn mein Suntour-Dämpfer wieder mal zeigt, was wirklich zählt.
Ride Trails, not Trends .Ducktrail grüßt mal^^ 🦆💥



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Richtig und gut geschrieben die Hater werden nicht lange auf sich warten lassen übrigens gescannt das T-Shirt ich hab^^ Hoheneck Biegarten Freitag den 20.6. Grüße aus Marbach :-)